Biografie

Joanna Sachryn ist eine technisch und künstlerisch brillante Cellistin, die es meisterhaft versteht, ihre spieltechnische Souveränität, ihr großes Musikverständnis und ihr Ausdrucksvermögen in Musik umzusetzen. Sie spielt die Musik nicht einfach – sie fühlt und lebt sie...
(Walter Hilgers)

Wenn es wahr ist, dass sich die Musikalität von Interpreten am besten in den langsamen Sätzen ermessen lässt, dann ist Joanna Sachryn mit dieser Gabe reich gesegnet... 
(Frankfurter Allgemeine Zeitung) 

Die in Polen geborene Cellistin Joanna Sachryn überzeugt mit Ausdrucksstärke und einer Persönlichkeit, die sich bewusst nicht in Schablonen pressen lässt. Ihre enorme Bühnenpräsenz und ihr unverwechselbarer Cello-Klang spiegeln ihre universale Erfahrung als Musikerin wider – Kammermusikerin, Solistin, im Orchester und als Professorin. 

„Wissen und Lebenserfahrung spielen eine große Rolle bei Wahrnehmung einer Komposition: Sie schenken mir eine ganze Palette an Ausdrucksmöglichkeiten. So kann ich den Raum zwischen den Noten mit einer Aussage ausfüllen, die Gedanken und die Gefühlswelt des Komponisten aus dem Notentext entwickeln, ihnen meine persönliche Kontur geben.“ 

Bereits mit 17 Jahren machte Joanna Sachryn als jüngste Solocellistin Polens am Stettiner Opernhaus Furore. Gleichzeitig absolvierte sie ihr Diplom am Musikkonservatorium Stettin und erlangte großes Renommée als Preisträgerin nationaler Wettbewerbe. Ihr Studium führte sie in die Solistenklasse des herausragenden Pädagogen Professor Gerhard Mantel an die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt und zu William Pleeth nach London, dem Lehrer vieler bedeutender Cellisten, darunter Jacqueline du Pré. 

„Für William Pleeth war es wesentlich, sich von rein musikalischen Vorstellungen leiten zu lassen, nicht von Fingersätzen oder sonstigen technischen Gegebenheiten.“

Weitere entscheidende Impulse erhielt Joanna Sachryn durch Repertoirestudien bei Mstislaw Rostropowitsch und Daniil Schaffran. 

„Für mich zwei Giganten, zwei der größten Musiker überhaupt. Ihre Art war mir sehr nahe und half mir, meine eigenen Wurzeln in der slawischen Musiktradition zu stärken.“

Nach Diplom und Konzertexamen folgten Engagements in Spitzenorchestern Europas, darunter das Philharmonia Orchestra London, das Sinfonieorchester des WDR Köln, die Münchner Philharmonikern sowie die Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Im Chamber Orchestra of Europe begegnete Joanna Sachryn 2001 Nikolaus Harnoncourt. 

„Sein Mut, über das Gewohnte hinaus zu denken und zu musizieren, hat mich angesteckt und mich in meinem Tun bestätigt. Die Treue zum Notentext ist dabei für mich wie ein Haus mit festen Wänden. Darin darf ich mich frei bewegen.“

Auch als Kammermusikerin geht Joanna Sachryn konsequent ihren Weg. Sie musizierte mit Partnern wie dem Geiger Thomas Christian, den Cellisten Boris Pergamenschikow, Martin Ostertag, Johannes Goritzki und Eleonora Schoenfeld, den Kontrabassisten Günther Klaus, Wolfgang Güttler und Boguslaw Furtok, dem Oboisten Ingo Goritzki und bei bedeutenden Festivals wie dem Schleswig-Holstein Musikfestival, dem Rheingau Musikfestival, Menuhin Festival in Gstaad oder dem Liana Issakadze Festival in Georgien. 

Besondere Aufmerksamkeit widmet sie jedoch ihren Ensembles: dem Duo mit dem Pianisten Paul Rivinius, dem Wiener Cello Ensemble 5+1 und dem Kölner Klaviertrio.

Mit Paul Rivinius spielte sie bereits zu Studienzeiten. Die gemeinsamen Auftritte (u.a. in der Alten Oper Frankfurt und im Sendesaal des Hessischen Rundfunks) wurden von Publikum und Presse begeistert aufgenommen. In der Saison 2017/18 hat sich das Duo wieder zusammengefunden.  Außerdem ist eine CD-Einspielung mit Werken von Dimitri Schostakowitsch und Krzysztof Meyer für das polnische Label DUX in Vorbereitung. Mit dem polnischen Komponisten verbindet sie eine langjährige Freundschaft.    

Im Wiener Cello Ensemble 5+1, gegründet von Kollegen der Wiener Philharmoniker, musiziert Joanna Sachryn seit 2009. Im Jahr 2017 führen ausgedehnte Tourneen das Ensemble zum wiederholten Mal nach China wie auch Japan und Bulgarien sowie zum Gstaad Menuhin Festival und Cello-Festival in Kattowitz. 

Das Kölner Klaviertrio zählt seit über drei Jahrzehnten zu den international renommierten Kammermusikensembles. Bereits seit 1999 konzertiert Joanna Sachryn als Cellistin des Trios mit Walter Schreiber (Violine) und Günter Ludwig (Klavier) auf den Podien in Europa, Asien und Südamerika. Zu den Höhepunkten der Saison 2016/17 zählten Konzerte in Shanghai, Hangzhou und Ningbo (China). 

„Die Zusammenarbeit mit Günter Ludwig war und ist eine formende Erfahrung für mich – nicht zuletzt im Hinblick auf den Zugang zu Beethoven, Schumann und Hindemith. 

Als Solistin genießt Joanna Sachryn einen gleichermaßen hervorragenden Ruf. So trat sie mit dem Korean Chamber Orchestra in Seoul (Seoul Art Center und Kumho Art Hall) und mehrfach auf den China-Tourneen des Deutschen Radio Kammerorchesters auf, zuletzt zum Jahreswechsel 2016/17 u.a. in Shanghai Symphony Hall. Gemeinsam mit diesem Orchester spielte sie im Rahmen der Holocaust Memorial Concerts der Vereinten Nationen in Genf und in LAC Lugano eine bewegende Interpretationen von Bruchs Kol Nidrei und Faurés Elegie.

Mit dem Philharmonischen Orchester Regensburg trat sie als Solistin mit den Konzerten von Schostakowitsch (Nr.1), Hindemith (1940), Saint-Saëns, Tschaikowski (Rokoko Variationen) und Don Quichot von Richard Strauss. 2018 wird Joanna Sachryn mit dem Cellokonzert von Edward Elgar in Regensburg sowie in Ploieşti und Oradea (Rumänien) zu hören sein. Ebenso gibt sie gemeinsam mit der chinesischen Pianistin Sui Xin in Shanghai Symphony Hall ihr Recital-Debut mit den Werken von Bach und Schostakowitsch und einen Zyklus mit allen Sonaten für Cello und Klavier von Max Reger mit dem Pianisten Matthias Krampe im Herbst 2018 in Wien.

Mit großer Leidenschaft gibt Joanna Sachryn ihr Wissen auch an zahlreiche Studierende in Asien und Europa weiter. 

„Dabei kommt mir vor allem die grundlegende Methodik meines eigenen Lehrers Gerhard Mantel zugute. Sie ist eine technische Basis des Übens und Lernens, auf der ich meinen Schülern ein emotionales und klangliches Erleben ermöglichen kann.“ 

Joanna Sachryn ist Professorin an der renommierten Tongji Unversität in Shanghai und gibt regelmäßig Meisterklassen u.a. an der Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau (Oberfranken) und an der Landesmusikakademie Bayern (Schloss Alteglofsheim). Meisterklassen führen sie außerdem an weitere bedeutende Universitäten Chinas wie das namhafte Shanghai-Konservatorium oder Conservatory in Hangzhou. Seit 2016 ist sie Dozentin bei bemerkenswerten Projekt der Europäischen Sommer Musikakademie in Kosovo. 

Die beeindruckende Bandbreite ihrer musikalischen Erfahrungen ermöglicht es Joanna Sachryn, ihre mitreißenden Interpretationen immer wieder neu aus dem spontanen Moment des Musizierens heraus zu gestalten. Denn:  

„Cello spielen heißt für mich – erzählen.“

Joanna Sachryn spielt "Il Canone" - ein Cello des Geigenbauers Urs Mächler.